Etwas zauberhaftes liegt über der Breite der Landschaft. Der Schnee und das Eis haben es herbeigeholt. Eine weite, bizarre Landschaft, eigentlich kahl, doch vereinzelt erheben sich die markanten Merkmale einer leider viel zu selten gewordenen und doch so unglaublich wichtigen Landschaftsform. Flußauen. Viel zu selten geworden in unserer monströs-uniformen Kulturlandschaft und doch so unglaublich wichtig; auch, nein gerade, für die urbanen Gebiete, die diese Notwendigkeit mitunter nicht einmal kennen, doch in Ausnahmesituationen darauf so schmerzlich angewiesen sind.
Flußauen bieten in Hochwassersituationen Ausweichplätze für die angeschwollenen Flüsse. Und schaffen gleichzeitig dadurch einen wundervollen einzigartigen Lebensraum. Wer einmal in einer Flußaue gewandert ist, der kommt immer wieder. Eben auch im Winter.
Wasser ist das Element, das uns im Winter so fasziniert. Schnee, Eis, Kristalle, Gebilde – alles erschaffen aus einem Stoff, lediglich geformt, verwandelt, vom Wetter – von Wind und Sonne. Und an jeder Stelle ist es etwas anders und alles hat seinen Sinn. So dachte ich mir einmal bei einem Spaziergang: warum frieren Kanäle und sogar Flüsse zu, jedoch einige Bäche nicht? Die Fließgeschwindigkeit kann es ja nicht sein, da auch einige Flüsse recht flott unterwegs sind. Und an der Lage der Bäche kann es auch nicht liegen, denn Meliorationsgräben gleich nebenan – so sie denn gepflegt sind – sind zugefroren. Eine unbedeutende Frage, die mir aber keine Ruhe gelassen hat. So habe ich nachgefragt.
Es gibt Bäche, die sind grundwassergespeist. Dieses kommt mitunter von weither – auf Bodenschichten angerauscht – und aus einigen wenigen Metern Tiefe. Derart gespeiste Bäche nennt man “sommerkalte und winterwarme Bäche”. Da liegt der Grund! Das Grundwasser hat eine entsprechende Temperatur, die es im Bach nur langsam an die Umgebung abgibt. Daher die angenehme Frische im Sommer (wie auch Quellbäche sie haben) und eben im Winter die scheinbare Wärme. Jedenfalls einige Grad C mehr als die Umgebung. Und genau dadurch frieren diese Bäche auch sehr spät zu. Da muß es dann schon ein langer Weg sein, der irgendwann nicht mehr gespeist ist, oder eine lange Zeit mit tiefen Temperaturen.
Eine ökologische Bedeutung haben solche Bäche übrigens auch. So ist zum Beispiel der Eisvogel auf solche winterwarmen Bäche angewiesen, da er sich hauptsächlich von Fischen ernährt, die er durch eine Eisdecke schwer erbeuten kann.
Wer hätte es gewußt?

Kathrin
1. März 2012
Interessanter Post. Wir haben nun eine Moorlandschaft in unmittelbarer Nähe, welche auch von einigen kleinen Flüsschen und Bächen durchzogen wird. Ich bin schon gespannt, wie sich diese Landschaft im kommenden Frühling präsentieren wird.
lg kathrin