Sparsames Topfgärtnern – und der Frühling zeigt sich

Posted on 26. Februar 2017

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Manches ändert sich, manches bleibt gleich. Da ist es irgendwie schön, wenn sich alle Jahre wieder endlich der Frühling zeigt.

Die ersten diesjährigen Protagonisten recken sich, leider etwas zu hastig, aus der Erde.

Vor knapp drei Wochen hatte ich Chili und Paprika ausgesät. Da ich für eine so frühe Aussaat eher ungünstige Licht-Temperatur-Verhältnisse habe, muß ich das etwas pragmatisch angehen. Was auch meist funktioniert. Schön warm haben es die kleinen Sämlinge im Zimmergewächshaus. Allerdings, wenn sie dann „geschlüpft“ sind, wird es heikel. Sie recken und strecken sich nach dem bißchen Licht, welches ihnen dann zur Verfügung steht, sie vergeilen, so nennt sich das. Behalte ich sie dann zu lange in der Kinderstube, werden sie schrecklich lang und instabil. Also habe ich sie schon jetzt praktisch in die Vorschule geschickt. Nicht optimal, aber mit zusätzlichen Lampen „und so Zeugs“ möchte ich nicht anfangen. Bisher hat es, mehr oder weniger gut, auch so funktioniert.

Die Veranda ist der einzige Ort, der ausreichend gute Lichverhältnisse gaben würde, aber im Moment noch viel zu kalt. Also kommt nun die etwas anstrengede Zeit, in der diverse Fensterbretter bevölkert werden müssen. Aber das geht schon.

Bei der Anzucht von Chili, Paprika und auch Tomaten hat sich inzwischen eine recht pragmatische Vorgehensweise bei mir etabliert. Nachdem ich zunächst von den kleinen Anzuchttöpfchen, die man einfach weiterverpflanzen kann, recht begeistert war, wurde mir aber auch schnell klar, daß die meist aus Torf hergestellt werden, was ich dann doch wieder doof fand. Dann hatte ich kleine Zeitungstöpfchen ausprobiert. Das geht recht gut – und ich hätte gedacht, daß ich das hier früher schon einmal erwähnt habe; hab‘ ich aber scheinbar nicht. Jedenfalls, ganz einfach: ein Senfglas oder ähnliches wird als Schablone verwendet, darum wird ein Stück Zeitungspapier gerollt, in das Glas wird ebenfalls Zeitung gedrückt und dann wird das Glas herausgezogen. Schon hat man einen Zylinder mit Boden, in den man Erde füllen kann. Aber, auch wenn die Bastelei garnicht so schwierig und langwierig ist, es werden – im Verhältnis zu der kleinen Sämlingspflanze – recht große „Töpfe“, die auch noch leicht instabil sein können. So habe ich irgendwann die Papprollen vom Klopapier und vom Küchenpapier aufgehoben und diese verwendet. Im ersten Testjahr nur diese. Das war schwierig, weil die Erde leicht durchrutschte, als ich die Röllchen umsetzten wollte. Darum kommt ein kleines Stück Küchenpapier auf den Boden und dann erst die Erde hinein. Das funktioniert gut.

Die Pappe-/Papiertöpfchen werden jeweils immer mit umgetopft, ein Pikieren, also Vereinzeln, der Pflanzen entfällt, auch brauche ich die Pflanzen beim Umsetzen nicht vollständig aus dem kleineren Topf herauslösen und irgendwann, im Garten eingepflanzt, vergehen diese Hilfstöpfe ebenso wie die Torf- oder Kokostöpfchen.

 

papier

Pappröllchen und Küchenpapier, mehr braucht es nicht

 

schale

fertig sind die Sämlingstöpfchen

Einen kleinen Nachteil möchte ich aber auch erwähnen. Was mir bei den Torftöpfchen noch nicht passiert ist: Wenn man Anfangs die „Kinderkrippe“, also die Töpfchen im Zimmergewächshaus, noch sehr feucht und warm halten muß, dann beginnen die Pappröllchen schnell zu schimmeln. Manchmal wachsen sogar kleine Pilzfruchtkörper direkt aus der Pappe. Dem entgegne ich recht pragmatisch durch eine Maßnahme, die ich noch aus alten Kakteenzeiten kenne. Dort war es mitunter fast überlebensnotwendig für die kleinen Sämlinge. Einfach eine Chinosol-Tablette in einer Tasse Wasser auflösen und die Lösung dann mit dem Löffel auf die Töpfchen geben. Das hilft sicher und nachhaltig. Ein weiteres Problem entsteht auch schnell im Laufe der Anzuchtzeit. Die Papptöpfchen trocknen sehr schnell aus. Das verkraften die kleinen Pflänzchen sehr schlecht. Ich habe so schon einige Pflanzen verloren. Das ist auch ein Grund, weshalb ich sie in diesem Jahr recht zügig in den nächstgrößeren Topf gesetzt habe. Dann ist die Pappe in der Erde verschwunden und man kann den Topf wesentlich leichter feucht halten. Nun warten wir gemeinsam auf mehr Licht.

Treue Begleiter sind seit Jahren meine „Küchenchilies„. Vor einigen Jahren sind etwas schärfere Cayenne hinzugekommen. Paprika wollten dieses Jahr nicht so richtig kommen – nur drei von acht Pflanzen -, dafür aber Spitzpaprika – wenn weiterhin alles gut geht, habe ich ausreichend. Habanero, die mir ein Freund vor ein paar Jahren direkt aus Mexiko mitbegracht hatte, sind bei mir noch nie gekeimt. Aber, wer weiß, obwohl sie direkt von einem Markt auf Yucatan stammen, muß das ja noch lange nicht heißen, daß die Pflanzen auch wirklich fertil waren. Und eigentlich waren die mir eh zu scharf. Doch ungarische gelbgrüne Spitzpaprika möchte ich irgendwann noch einmal haben. Und Tabasco, vielleicht. Und, vielleicht doch auch Habanero. Schon aus Prinzip.

Andererseits, ist es nicht auch gut, wenn man das schöne, funktionierende, weiter genießt und pflegt?

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