Hahn mit Haltungsschaden

Posted on 31. März 2017

0



Es geht einem schon sehr nahe, wenn man zusehen muß, wie das eigene Vieh nicht sonderlich gut gehalten werden kann. Aber man kann ihm ja nicht erklären, daß es noch schlimmer sein könnte.

Den Maßnahmen gegen die in diesem Winter wieder etwas schlimmer aufgetretene Vogelgrippe ist es geschuldet, daß das eigentlich gesunde Federvieh derzeit nicht ganz so fröhlich herumlaufen kann. Stallpflicht. Bzw., als kleines Zugeständnis, überdachte Volierenmöglichkeit. Bei mir hat sich das seit einiger Zeit auf den eigentlich als Kükenaufzuchtstation bzw. auch als Quarantäneauslauf gedachten Minipferch auf dem Hof eingeschränkt.

Ich glaube 2005 war es, als wir schon einmal diese Stall-/Volierensituation hatten. Damals hatte sich ein altes Partyzelt, umgrenzt von Maschendraht, und aufgestellt vor dem Auslauf des Hühnerstalls, ganz gut bewährt. Obwohl es natürlich auch doof war – die Erde in dem eingeschränkten Bereich war zum Schluß mehr als zertrampelt und aufgeweicht, war es aber halbwegs passabel. Jedoch, in diesem Jahr hat dieses Hühnerpartyzelt schlicht seinen Geist aufgegeben. Die Rohre sind für mich unsichtbar von innen her verrostet und der erste etwas ernstere Wind hatte das ganze Gebilde gleich an mehreren Stellen praktisch in sich zusammenfallen lassen.

Die Hühner muß das dermaßen verschreckt haben, daß sie mich förmlich elbst auf die Alternative hingewiesen haben. Sie sind allesamt, die ganze Truppe, über den Zaun geflogen, durch die Scheune auf den Hof gewandert und haben sich selbst durch die offen stehende Tür in den Kükenstall gesetzt. Verblüffend. Aber auch einfach. Türe zu, kein Streß. Auslauf aber dann eben nur auf einem kleinen und vor allem niedrigen vollständig vergitterten Auslauf. Als ich das gebaut hatte, habe ich doch lediglich an kleine Küken und ihre Mutter gedacht. Niemals an einen fast doppelt so großen Hahn. Nun, der arme Kerl muß jetzt also ständig gebückt dort herumlaufen. Ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb er seine Mädels mehrmals täglich in den Stall lockt. Aber, immerhin, so haben sie wenigstens ein wenig Auslauf und etwas Tageslicht.

Ich hoffe wirklich, daß es in den nächsten Tagen vorbei ist mit dieser Stallpflicht. Auch die Hühner spüren den Frühling, die Eierproduktion ist sprunghaft angestiegen.

Weshalb mich das überhaupt bis zu diesem Text beschäftigt: Mir ist in der näheren und ferneren Nachbarschaft aufgefallen, daß es augenscheinlich Hühnerhalter gibt, denen diese Stallpflicht schlicht egal ist. Es ist kein Neid, daß es meinen Hühnern gerade nicht so schick geht und denen der Ignoranten besser. Nein. Ich bin einfach überrascht, wie vielen Leuten diese zugegeben etwas unschöne Maßnahme schlicht egal ist. Es gab einmal eine Quarks-Sendung, in der ging es um diese Grippeviren (Hühner-, Schweine- und Menschengrippe) und deren spontane aber fröhliche Fertilität. Ich versuche es ‚mal kurz zusammenzufassen: Diese „HxNy“-Viren sind normalerweise auf Vögel, Schweine oder Menschen „spezialisiert“. Es gibt aber auch Mutationssprünge, sodaß ein „Tiervirus“ auf den Menschen übertragen wird, dort überlebt und dann auch, bzw. gerade tödliche Auswirkungen hat. Man vermutet bei der Spanischen Grippe, die Anfang des letzten Jahrhunderts Millionen Menschenopfer gefordert hat, und auch in China in den letzten Jahren immer wieder ebensolche Tier-Mensch-Mutations-Übertragungen. Und, sind wir einmal ehrlich, das Risiko einer Ansteckung ist nun einmal bei uns privaten Hühnerhaltern beim Ausmisten und auch beim Eier holen um ein Vielfaches höher als in so einem furchtbaren Hühner-KZ, aus dem unsere urbanen Mitmenschen mit „Hühnerzeugs“ versorgt werden. Hinzu kommt, daß, wenn in einem Ort die Vogelgrippe festgestellt wird, alles Federvieh abgemurkst wird. Wie ein paar Dörfer weiter vor ein paar Wochen geschenen. Stallpflichtvollzug hin oder her.

Deswegen halte ich das Verhalten dieser „Mir-doch-egal“-Mitmenschen für ziemlich fahrlässig.

Andererseits, die Tierseuchenkasse könnte auch durchaus etwas mehr ähm leisten, als nur Beiträge zu verwalten oder pauschal bei einer verordneten Stallpflicht Aufnahmeanträge per Postwurfsendung für ein ganzes Dorf zu verteilen (wie bei uns 2005 geschenen). Die Leute dort könnten in einem solchen Fall auch einmal Aufklärungsarbeit leisten. Vielleicht dämmert es dem einen oder der anderen Hühnerhalterin doch und man erduldet es einfach und hofft für sein eigenes Federvieh auf bessere Tage.

Advertisements