Squarefootgarden (4) – Gemüsetheorie für Anfänger

Posted on 3. April 2017

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Auch wenn es zunächst etwas theoretisch daherkommt, aber man braucht sich nicht wirklich sehr viele Gedanken machen, wenn man sein erstes Quadratmeterbeet plant und dann anlegt. Es gibt nur einige Details, deren Beachtung sich durchaus für einen Erfolg lohnen.

Zunächst das Beet selbst. Das ist einfach, hier ist der Name Programm; quadratisch, praktisch, gut, sozusagen. Das Beet ist 1,2 m x 1,2 m und wie man es einfaßt, ist reine Geschmackssache. Mehr gibt es dazu nicht zu beachten.

Die weiteren Gedanken während der Planung richten sich praktisch vollständig nach dem Gemüse, welches man begärtnern möchte. Aus dem vorhergehenden Quadratmeter-Beitrag möchte ich ein paar wenige Begriffe noch einmal hervorholen, um die Planung zu verdeutlichen.

Starkzehrer, Schwachzehrer, Mittelzehrer
Das sind Eigenschaftsgruppen, in die Gemüse eingeteilt wird, ganz gleich um welches Gemüse es sich handelt. Es gibt Gemüse, das einen recht hohen Bedarf an Nährstoffverfügbarkeit im Boden stellt, dieses bezeichnet man als Starkzehrer – es zehrt den Boden aus, und dann gibt es Gemüse, welches recht genügsam ist, was die Bodennährstoffe betrifft, Schwachzehrer genannt. Und, wie immer im Leben, gibt es nicht nur schwarz und weiß. Die Grauzone, also nicht gerade gierig aber auch nicht wirklich genügsam, bilden dann die Mittelzehrer. Diese Einteilung hat eigentlich in der Mischkultur eine wichtige Bedeutung, da hier nicht jährlich jedes Feld neu gedüngt (ob nun organisch mit Mulch, Mist oder Komposterde oder anorganisch mit den verschiedensten Düngern). – Nur so am Rande: diese Erkenntnis wird von Agrarhistorikern gelegentlich als ‚Revulotion‘ bezeichnet, die Einführung der Drei-Felder-Wirtschaft irgendwann im Mittelalter basiert auf dieser Erkenntnis und hatte eine deutliche Ertragssteigerung zur Folge. Für unser kleines Quadratbeet hat das bei der Erstanlage sicherlich keine Bedeutung. Man kann es in den Folgejahren berücksichtigen, wenn man nicht das Substrat fast vollständig erneuert oder das komplette Beet durchmischt. Die Reihenfolge ist so: Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer, dann Kompost (oder was auch immer) hinzufügen. Man kann auch ein zusätzliches Jahr einfügen, in dem man auf dem Beet „Bodenverbesserer“ (die gibt es) sät und auch die abgestorbenen Pflanzen selbst im Herbst als Mulch, der verrottet, auf dem Beet beläßt. Aber das ist eine andere Geschichte…

Wenn man das Beet neu anlegt, wird man mit ziemlicher Sicherheit ohnehin für sehr gute Startbedingungen sorgen. Einfach „frische“ Erde ins Beet. Woher auch immer diese kommt. Die Mischungen des Squarefootgarden-Erfinders Mel B. braucht man keineswegs zwingend. Meines Erachtens ergibt sich der Erfolg und gelegentlich auch tatsächlich höhere Ertrag der kleinen Quadratbeete schlicht aus dem Spaß und der damit einhergehenden intensiveren Hege und Pflege dieser Beete.

Aus eigener Erfahrung kann ich aber von der irritierender Weise geeignet heißenden Pflanzerde nur abraten. Bzw., man sollte wirklich sehr genau hinschauen, aus welchen Zutaten diese Pflanzerde besteht. Oft enthält diese leider Torf. Selbst wenn man ethische Bedenken nicht hat oder diese ausnahmsweise nicht notwendig sind, weil Torf auch nachhaltig abgebaut wird, so hat Torf keinerlei Vorteile in einem normalen Gartenbeet. Im Gegenteil. Torf zersetzt sich nur sehr sehr langsam. Wenn dann das Beet einmal etwas trocken wird, im Sommer, wenn man das Gießen vergißt, wie auch immer, das geht schnell, dann beansprucht der Torf in der Erde die letzten Tröpfchen Wasser. Er saugt die Erde so stark aus, daß Pflanzenwurzeln regelrecht verdorren.

Am besten geeignet ist die ganz normale Gartenerde, die man eh schon hat. Etwas aufpeppen kann man sie ganz leicht mit Komposterde. Hat man keinen eigenen Komposter, so kann man diese Erde recht günstig beschaffen. Wenn man in einem recht urbanen Umfeld wohnt, bringt man ja seinen Strauch- und Grünschnitt irgendwohin. Meist sind das kommunale Recyclinghöfe. Dort wird i.d.R. auch Komposterde angeboten. Meist sogar sehr deutlich günstiger als im Baumarkt. Wenn man lehmigen Boden hat, mischt man einfach noch etwas Sand hinzu. Oder aber man nimmt schlicht Blumenerde. Die ist angereichert mit mineralischem Dünger und einigen unverrotteten Teilen, sie „hält“ sich also ein paar Jahre im Beet. Jedoch, niemals Pflanzerde.

Kulturfolge
In dem vorhergehenden Squarefootgarden-Beitrag hatte ich versucht, Frucht- und Kulturfolge zu erklären. Um nicht zu verwirren erwähne ich hier nur die Kulturfolge. Diese ist ggf. im ersten Jahr des Quadratmeterbeets von Bedeutung. Das hat nichts mit der oben erwähnten jährlich wechselnden Beetbelegung zu tun. Sondern einfach mit dem Umstand, daß verschiednes Gemüse unterschiedlich lange im Beet steht bis zur Ernte. Da es Gemüse gibt, das nur einige Wochen, oder auch zwei, drei Monate, bis zur Ernte benötigt, ist es naheliegend, das Beet länger zu bewirtschaften. Also, im Idealfall, ein Gemüse von Frühjahr bis Frühsommer, ein weiteres Gemüse im Sommer und ein drittes Gemüse ab Spätsommer bis Herbst. Das ist die Kulturfolge. Meist wird sich das aber auf zwei verschiedene Gemüse im Jahr je Beet beschränken. Das ist doch aber auch schon einmal gut.

Wer so rein garkeine Ahnung hat, wann welches Gemüse im Beet am besten aufgehoben ist, dem empfehle ich die Aussaat-, Pflanz- und Kulturhinweise auf den Samentüten. Ich glaube (denke mal) alle Samenhersteller drucken diese Information auf ihre Tüten. Außerdem: bei einem Quadratmeterbeet macht es doch auch zusätzlichen Spaß, die wenigen Pflanzen selbst im Töpfchen vorzuziehen und zu passender Zeit auszupflanzen. Durch das separate Vorziehen „verschwendet“ man nicht den Platz auf dem Beet, weil die kleinen Pflänzchen, die Sämlinge, auch in einem kleinen Topf erst einmal glücklich sind.

Man kann aber nicht alle Pflanzen im Topf vorziehen. Manche muß man einfach direkt aussäen oder auspflanzen. Dazu möchte ich demnächst im folgenden Artikel etwas aufschreiben. Auch dazu, welche Kulturfolgen geeignet sind.

Eine Kulturfolge kann man aber hervorragend planen, wenn man einmal schaut, wie lange das Gemüse auf dem Beet bleiben muß. Ein kleiner Tip hierzu noch. Manches Gemüse braucht den Sommer, auch wenn es „schnell“ zu ernten ist, manches nicht zwingend. Bei manchem Gemüse gibt es extra Frühjahr- und Herbstsorten, manche heißen nur so. Konkret, bzw. als Beispiel: Radieschen geht sehr schnell, Kohl braucht Zeit, es gibt wirklich Spinatsorten, die sind im Frühjahr geeignet, andere im Herbst. Möhren hingegen, die als Frühsorte empfohlen werden, vertragen auch Spätsommer und Herbst. Hier ist das „Früh“ auf die schnelle Verzehrbarkeit bezogen. Also, frühe Möhrensorten kann man auch im Sommer noch säen, sie sind im Herbst „fertig“. Späte Sorten hingegen benötigen tatsächlich das ganze Gartenjahr. Doch darauf möchte ich demnächst abschließend eingehen.


>> Squarefootgarden (1)  – lustiges gärtnern im Quadrat
>> Squarefootgarden (2) – das Beet ist das Ziel
>> Squarefootgarden (3) – Mischkultur ist Pflicht


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